Darum geht's

Hamburg gilt vielen in Deutschland als besonders reiche Stadt, in der es dank Hafen und Handel, Medien und Dienstleistung wirtschaftlich gut läuft und mehr Millionäre wohnen als in jeder anderen deutschen Metropole. Allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit, denn Hamburg hat auch eine „arme“ Seite, und das betrifft Kinder und Jugendliche besonders, wie die statistischen Zahlen bestätigen.

 

In Hamburg lebten 2015 mehr als 58.000 Kinder unter 18 Jahren in Familien, die Grundsicherungsleistungen erhalten und damit als arm gelten. Das entspricht 20,9 Prozent und liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,7 Prozent.* Somit ist jedes fünfte Kind in der Hansestadt auf Hartz IV angewiesen, mehr als die Hälfte davon lebt bei einem alleinerziehenden Elternteil. Besonders betroffen sind außerdem Familien mit drei oder mehr Kindern. In strukturschwachen Stadtteilen wie Billstedt, Wilhelmsburg oder Steilshoop beziehen rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen Transferleistungen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund. Was aber diese alarmierenden Zahlen nicht zum Ausdruck bringen, sind die weitreichenden Folgen für die Kinder, die in dieser Armut aufwachsen.

 

 

Arm zu sein bedeutet für die betroffenen Jungs und Mädchen viel mehr als wenig Geld zu haben. Von der Klassenreise, die zu teuer ist, über unerschwingliche Freizeitaktivitäten bis hin zu außerschulischen Bildungsangeboten wie Nachhilfe, Musikunterricht oder Museum – die Armut ihrer Familie erleben Kinder direkt als Ausgrenzung, weil Teilhabe am gesellschaftlichen Leben viel zu oft Geld erfordert. Gleichzeitig beeinträchtigt Armut die gesamte Entwicklung der Kinder und wirkt sich umso negativer auf Bildungs- und Zukunftschancen aus, je länger sie den Alltag bestimmt. Geldsorgen belasten die ganze Familie und führen zu Spannungen und Stress. In beengten Wohnverhältnissen fehlt häufig der Rückzugsort für Schularbeiten. Für eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse gibt die knappe Haushaltskasse nicht genug her … die Liste der Benachteiligung und negativen Beeinträchtigungen ließe sich noch lange fortsetzen.

 

Kinder können ihre Lebenssituation nicht selbst ändern, umso mehr sind wir alle gefragt, wenn es darum geht, ihnen ein gutes und gesundes Aufwachsen mit allen Zukunftschancen zu ermöglichen. Besonders die Mädchen und Jungen in den strukturschwachen Stadtteilen Hamburgs brauchen altersgerechte, verlässliche und kostenlose Sport- und Freizeitangebote, um aus dem Armutskreislauf ausbrechen zu können. Genau hier liegt die Hauptaufgabe von NestWerk: Kinder und Jugendliche mit Sport, Kultur und Bildung zu unterstützen, zu fördern und für eine glückliche, selbstbestimmte Zukunft stark zu machen.

 

 

*Factsheet der Bertelsmann-Stiftung, Kinderarmut. Kinder im SGB-II-Bezug, Hamburg, 9/2016:

https://www.bertelsmann-stiftung.de//fileadmin/files/Projekte/Familie_und_Bildung/Factsheet_WB_Kinderarmut_HH_09_2016.pdf

 

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Der NestWerk Jahresbericht 2016
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